Von Johannes Schmitz, 27.01.12, 14:00h, aktualisiert 27.01.12, 16:06h
Die Piccolos haben es dem 32-Jährigen angetan. Begonnen mit dem Aufbau seiner Sammlung hat er als Zwölfjähriger. Auf einem Stadtfest in Siegburg hat er seine erste Flasche gewonnen. Das war vor 20 Jahren. Der Inhalt des Fläschchens interessierte ihn damals so wenig wie heute. Ihm geht es ausschließlich ums Äußere.
So macht es ihm nicht das Geringste aus, wenn er erklärt: "Vom Inhalt her ist das alles nichts mehr wert." Denn nach rund zwei Jahren sei ein Piccolo nicht mehr genießbar. Dann holt er seine älteste Flasche aus einer der Vitrinen: einen Henkell-Trocken, in einer Aufmachung, wie es sie von 1949 bis 1953 in Deutschland gab. Er dreht die Flasche etwas und man sieht schon durch das grüne Glas, dass hier kein Sektgenuss mehr zu erwarten wäre, denn viele kleine Teilchen bewegen sich durch die Flüssigkeit.
Seine Sammlung irgendwann zu Geld zu machen - das ist für Bermpohl ohnehin kein Thema. Wohl aber hat er im untereren fünfstelligen Bereich investiert, um die Flaschen zusammen zu bekommen. Zwischen 99 Cent und 35 Euro zuzüglich Versand liege die Preisspanne für die Piccolos.
Kürzlich hat er noch mal investiert. Denn Bermpohl wollte seine Piccolo-Sammlung offiziell als die größte der Welt anerkennen lassen. Es zog ihn ins Guinnessbuch der Rekorde. Ob er in der nächsten Druckfassung schon dabei ist, konnte ihm das Unternehmen nicht zusichern. Den Rekord aber hat er bekommen. Dazu musste er Notar und Anwalt, die ihm die Größe der Sammlung bestätigten, selbst bezahlen.
Schon vor zehn Jahren hatte Bermpohl das Guinessbuch der Rekorde kontaktiert. Da hatte er gut 500 Stück zusammen. Doch damals hieß es: Spannend werde es erst ab 1000. Also sammelte er weiter, bis er diese Grenze im Jahr 2011 überschritt.
Die Flaschen stehen in weißen Vitrinen der Dachgeschosswohnung, in der Bermpohl mit seiner Frau und dem kürzlich geborenen Sohn lebt. Fünf Meter breit ist die Schrankwand. Auf jedem Regalbrett sind die kleinen Flaschen in drei Reihen hintereinander aufgestellt hat.
Nun kommt eine neue Herausforderung auf den jungen Vater zu. Er muss den krabbelnden und sich demnächst an Gegenständen hochziehenden Nachwuchs davon abhalten, die Vitrinen zu öffnen. Kindersicherungen für Schranktüren müssen her.
In der Familie und dem Freundeskreis fühlt er sich mit seiner Sammelleidenschaft gut verstanden. "Ein bisschen bekloppt muss man schon sein", attestiert er sich. "Aber das Ganze ist mehr ein Gag". Manchen Freund hat er beim Aufbau seiner Sammlung aber schon enttäuschen müssen.
Denn oft musste er sagen, wenn wieder jemand vor dem Regal im Supermarkt stand und ihn anrief: "Habe ich schon". Bekommt er Piccolos für seine Sammlung geschenkt, die er schon hat, wandert das Exemplar in den Kühlschrank und wird beim nächsten Anlass getrunken. Aber trotz seines Sekt-Weltrekordes bleibt sich Bermpohl treu: "Ich trinke lieber Bier."
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