Schriftgröße

ECE-Einkaufscenter

Forscher widerspricht Aussagen

Von Johannes Schmitz, 16.09.10, 09:56h

Die Stadtverwaltung in Siegburg hat eine Studie falsch interpretiert und über den eigenen Newsletter veröffentlicht. Das behauptet Stadtforscher Holger Pump-Uhlmann, der an dieser Studie mitgearbeitet hat.

Skizze
Bild vergrößern
Der Besitzer des links neben dem Eingang zur geplanten Shoppingmall liegenden Hauses sagte, er wolle nicht verkaufen. ECE hat es in dieser Skizze dennoch überplant. BILD: ECE
Skizze
Bild verkleinern
Der Besitzer des links neben dem Eingang zur geplanten Shoppingmall liegenden Hauses sagte, er wolle nicht verkaufen. ECE hat es in dieser Skizze dennoch überplant. BILD: ECE
Plan
Bild verkleinern
Dieser Plan der Bürgerinitiative gegen ECE zeigt, dass das Center mehr Grundfläche hätte als der Marktplatz. BILD: Bürgerinitiative
Plan
Siegburg - „Eine völlig falsche Darstellung“ seiner Ergebnisse attestiert der Architekt und Stadtforscher Holger Pump-Uhlmann der PR-Abteilung des Bürgermeisters. Die hatte im städtischen Email-Newsletter „Siegburg Aktuell“ Auszüge aus einer großen Studie zu Einkaufszentren gebracht, die Pump-Uhlmann mit drei weiteren Wissenschaftlern gemacht hat.

Franz Huhns Mitarbeiter kommen aufgrund der Studie zu dem Resultat: Wenn das Anforderungsprofil der Stadt beachtet werde, funktioniere eine Shoppingmall.

Damit will die Stadtspitze für ein ECE-Center werben. Doch Pump-Uhlmann sagt, die Studie „Wirkungsanalyse großer innerstädtischer Einkaufscenter“ komme zu einem völlig anderen Ergebnis.

Dort heißt es: „Wenn größere Umwälzungen in der Struktur des bestehenden Geschäftsbereichs vermieden werden sollen, sind die Flächenerweiterungen durch ein Einkaufscenter im moderaten Rahmen zu halten. Das bedeutet konkret, dass bei einer durchschnittlich ausgestatteten Innenstadt eine Verkaufsflächenerweiterung von 15 Prozent bezogen auf die innerstädtische Verkaufsfläche nicht überschritten werden sollte. Gleichzeitig sollten bei Städten bis 200 000 Einwohner die innerstädtische Verkaufsfläche im Regelfall um nicht mehr als 15 000 Quadratmeter ausgeweitet werden, so dass einer Autarkie des Einkaufscenters vorgebeugt wird.“

Was das rechnerisch für den Fall Siegburg bedeutet, fasst der Wissenschaftler so zusammen: „Da die innerstädtische Verkaufsfläche in Siegburg vermutlich etwa 35 000 Quadratmeter betragen dürfte, würde dies eine Verträglichkeit eines Centers in der Größenordnung von 5500 Quadratmetern bedeuten.“

Pump-Uhlmann liegt mit seiner statistischen Berechnung sehr gut. Tatsächlich hat die Siegburger Innenstadt rund 36 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. ECE will mit Hilfe der CDU 16 000 dazu tun - 44 Prozent der bestehenden Fläche.

Pump-Uhlmann sagt zu dieser Größenordnung: „Das ist absoluter Wahnsinn.“ Denn wenn die Center mehr als 15 Prozent des bisherigen Einzelhandels abbilden, dann bieten sie den Kunden ein Vollsortiment, argumentiert der 49-Jährige. „Dann brauchen die Leute den Rest der Stadt nicht mehr zu betreten.“ Vor allem wegen der vielen kleinen Ladenlokale im Center. Im Siegburger ECE-Center sind davon 60 geplant.

Außerdem wirft der Wissenschaftler den Entwicklern der Einkaufsgalerie vor, die Verkaufsfläche künstlich klein zu rechnen. Da würden dann schon mal Flächen hinter den Schaufenstern oder hinter Theken nicht mitgerechnet. Mit der für Siegburg geplanten Größe werde das Center das ganze Angebotsspektrum der Innenstadt im Center noch einmal abgebilden, vor allem durch die zahlreichen kleinen Läden in der Shoppingmall. „Die Kaufkraft, die ins Center geht, wird woanders wegbleiben“, hat Pump-Uhlmann bei seiner Analyse von 16 großen Einkaufscentern erfahren.

„Derzeit gibt es ein Wettrüsten mit Einkaufszentren“, trifft der Braunschweiger den Nagel auch für den Konkurrenzkampf zwischen Siegburg und Sankt Augustin auf den Kopf. Die Centerbetreiber gingen von Rathaus zu Rathaus und redeten auf die Bürgermeister ein, gegen die Center in anderen Städten ein eigenes Center zu bauen.

„Die Städte lassen sich oft überraschen von den Entwicklern. Aber sie sollten selbst aktiv werden und Entwickler suchen“, rät Pump-Uhlmann, der mit seinen Kollegen die Untersuchungsergebnisse in einem Ratgeber für Kommunen zusammenfassen wird, der im kommenden Frühjahr erscheinen soll. Voraussetzung für ein aktives Handeln der Stadt sei ein „Masterkonzept für die ganze City“. Und auf jeden Fall sollten die Städte mit mehreren Investoren gleichzeitig im Gespräch bleiben.

In der Realität aber nähmen die Kommunen häufig den Blickwinkel der Center-Entwickler ein. Auch aus Angst als investitionsfeindlich zu gelten. „Viele befürchten, dass die Entwickler abspringen“, sagt Pump-Uhlmann, „tun sie aber nicht. Die brauchen die kleinen Städte, weil die großen schon abgegrast sind.“

Aber nicht nur die Politiker ebneten den Einkaufscentern das Feld, sondern vor allem die Kunden. „Die Bürger haben die Erwartung, überall die gleichen Ketten zu finden.“ Dadurch uniformiere das Stadtbild.

Generell spricht sich Pump-Uhlmann für eine aufgelockerte Form des Einkaufszentrums aus. Die Geschäfte sollten auch von außen begehbar sein, nicht nur durch das Center. Doch dies sei nicht im Sinn der meisten Betreiber. Die wollten ihre Kunden direkt vom Parkdeck ins Center ziehen.

 www.ksta.de/rsa-buergerentscheid



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


ksta.tv


Rohrbruch in Siegburg

ksta.tv


Bildergalerie


Special


Siegburg Links


WAS.WANN.WO.


Special


Vögel in der Region


Special


Karneval im Kreis


Termine im Kreis


Mit spitzer Feder



Serie


rhein-sieg-anzeiger.de auf Facebook

rhein-sieg-anzeiger.de auf Facebook

Special


Top-Links (Anzeige)


Extra


Lokalsport


Dienste