Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 14.07.10, 08:47h, aktualisiert 14.07.10, 15:29h
Der verantwortliche Polizeihauptkommissar Achim Buchholz entschied, Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes hinzuzuziehen. Die Spezialisten bestätigten, dass akute Explosionsgefahr bestehe. Ein Roboter, so das Vorgehen, sollte die Behälter hinter einen aufgeschütteten Sandwall transportieren. Dort würden diese dann aufgesägt. Der Einsatzstab definierte einen Gefahrenbereich mit einem Radius von 300 Metern. 800 Bewohner mussten für die anstehende „Entschärfung“ ihre Häuser räumen.
„Übertriebener Aufwand“
Die meisten Anwohner reagierten mit Verständnis. Nur wenige allerdings nutzten die Gemeinschaftsgrundschule an der Canisiusstraße als Notunterkunft. Dort wurden sie durch 50 Helfer vom Deutschen Roten Kreuz und dem Malteser Hilfsdienst betreut. Doch lediglich acht, meist ältere Nachbarn fanden sich ein - statt der erwarteten rund 100. „Das kennen wir sonst nur aus dem Fernsehen“, sagte eine Seniorin. Andere Nachbar feierten derweil eine Evakuierungsparty. „Wir machen das Beste daraus“, erklärte Anwohner Björn Zapke.
Am Einsatzort wurde gegen 23 Uhr die erste Flasche aufgesägt, nachdem das Gebiet geräumt war. Geringe Mengen Sauerstoff traten aus. Eine Stunde später ging es mit der zweiten weiter, dieses Mal war das Gas offenbar schon ausgetreten. Bis nach 2 Uhr dauerte die aufwändige Entschärfung, doch in nur zwei Flaschen war tatsächlich etwas drin. Die Sprengstoffexperten hatten für ihre Arbeit nur wenig Zeit: Die Züge der S-Bahnlinie 12 und der Deutschen Bahn mussten dafür anhalten.
Anwohner Dieter Hanke beschwerte sich, dass die Flaschen schon tagsüber entdeckt worden waren, sich aber niemand darum gekümmert habe. Dann plötzlich hätten die Menschen ihre Häuser verlassen müssen, auch sei die Produktion gestoppt worden. Der stellvertretende Kreisbrandmeister, Dietmar Klein, hielt dem entgegen, dass die Lage bis spät in die Nacht „sehr brisant“ gewesen sei. Vor allem die Gefäßwände der fünf Gasbehälter waren defekt. Die genauen Schäden aber seien nicht festzustellen gewesen. „Das ist in der Tat kein gewöhnlicher Einsatz“, betonte der Experte Klein. 75 Feuerwehrleute, 75 Mitarbeiter der Rettungsdienste und 70 Polizisten - insgesamt 220 Helfer - standen bereit. Erst nach den Entschärfungsarbeiten konnte Brandermittler Achim Buchholz seine Arbeit fortsetzen.
Gasflaschen explodiert: Detonation war weithin zu hören
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