Von Christian Leinweber, 05.06.10, 10:43h
Deutscher Rock mit christlichen Texten muss nicht peinlich sein, das stellten Blaulicht klar. "Reiß mich aus dem Dunkel und aus der Aussichtslosigkeit, ohne Dich kann ich nicht leben, ich liebe Deine Anwesenheit", sang Frontmann Gennadi Sawadsky mit knarziger Inbrunst, unpathetisch und mitreißend. Die Band entpuppte sich schon nach wenigen Songs als echte Groove-Maschine, stillstehen viel da schwer. Auch die Schwarzmetaller von Celtriade feierten Blaulicht direkt vor der Bühne ab. Das Kindergebet "Ich bin klein, mein Herzchen mach rein" verwandelte das Sextett in eine grandiose Mitgröl-Hymne: Wenn jede Mutter ihren Kindern das Gebet so vortragen würde, Deutschland wäre vor einer neuen Generation rockverliebter Teenager wohl nicht mehr sicher.
Düstere Keyboardflächen schufen die Grundlage, auf der Celtriade mit Double-Bass-Salven, Growls und Harmoniegesang und brachialen Gitarren ihren Black Metal aufbauten. Einer Dampframme gleich schien das einzige Ziel der Band zu sein, die Soundbox in Schutt und Asche zu legen - Zerstörungswut, die Spaß machte.
Bei "Letter to a Friend" kombinierten Cel triade gar den Sound einer Hammond-Orgel mit melodiösen Basslinien und wunderbar zerhackten Gitarrenriffs. Wie eine Metal-Version der frühen Stranglers klangen sie hier, das soll ihnen erst mal jemand nachmachen. Luziefour - Schlagzeugerin Luzie und ihre vier männlichen Mitstreiter - lieben Alternative Rock der Neunziger Jahre. Hymnisch, treibend und mit viel PS unter der Haube donnerte die Band über den Highway, auf dem schon amerikanische Gruppen wie Seaweed, Supersuckers und die Post-Grunger Seether ihr Gummi hinterließen. Ob sehnsüchtige Balladen - die Faust gereckt, eine Träne im Auge - oder kräftige Stampfer mit Staccato-Riffs, die das Indierocker-Herz auf großen Schwingen in die Stratosphäre trugen: Das Quintett zeigte ein feines Händchen für stürmische Melodien. Was für ein Tanz. Und die Ballkönigin ist: Luzie. Darüber waren sich Jury und Publikum einig - Luziefour werden auf einem der beiden Halbfinal-Konzerte spielen. Unterstützt wird der Muchstock Bandcontest unter anderem vom Rhein-Sieg-Anzeiger und von Nicrothal Records.
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