Von Ralf Rohrmoser-Von Glasow, 05.04.10, 08:56h, aktualisiert 08.04.10, 15:05h
Dramatische Szenen müssen sich gegen 0.30 Uhr in der Wohnung an der Bahnhofstraße/Ecke Lindenstraße sowie auf den Bürgersteigen davor abgespielt haben. Nach Informationen des „Rhein-Sieg-Anzeigers“ ist der 26 Jahre alte frühere Freund der Frau in deren Wohnung eingedrungen. Ob gewaltsam oder nicht, ist derzeit noch nicht bekannt.
Jedenfalls bat sie den 23-Jährigen um Hilfe. Der junge Mann, der nach Angaben von Freunden gerade sein Abitur nachholt, eilte bereitwillig zur Bahnhofstraße. Die nachfolgende Auseinandersetzung muss schnell handgreiflich geworden sein. Die 23-Jährige flüchtete mit Verletzungen am Kopf aus ihren Räumen auf die Straße und lief über den Parkplatz am Heiligenstädter Platz zur nur rund 100 Meter entfernten Polizeiwache. Blutüberströmt betrat sie die Räume und berichtete, dass ihr „Ex“ gerade ihren Bekannten absteche.
Nur wenige Augenblicke später traf bereits der direkt alarmierte, erste Streifenwagen an dem Haus ein. Doch der 26-Jährige hatte die Wohnung inzwischen bereits verlassen. Später zeigten Blutspritzer seinen vermutlichen Fluchtweg an, auch er muss Blessuren davon getragen haben. Die Polizisten fanden das Opfer, das unter anderem stark aus Wunden am Hals blutete, auf dem Boden liegend. Jede Hilfe kam zu spät, der Mann verblutete - trotz der schnellen Alarmierung.
Seine Freundin wurde derweil in der Wache als wichtige Tatzeugin direkt vernommen, Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Notarzt hatten sie zuerst allerdings medizinisch versorgt. Mit einem dicken Verband auf dem Kopf stellten sie sich den Fragen der Beamten. Der mutmaßliche Täter war schnell ermittelt, die sofort eingeleitete Fahndung blieb aber zunächst ohne Erfolg. Streifenwagen rollten durch die Hennefer Innenstadt, eine große Zahl von Einsatzkräften beteiligte sich an der Suche, auch außerhalb der Stadt. In dieser Phase ereignete sich ein kurioser Zwischenfall. Ein Betrunkener sprang auf dem Parkplatz auf einem Auto herum. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass sich so viele Polizisten in seiner Nähe befanden. Schnell war er überwältigt, gefesselt und abtransportiert. Mit dem Tötungsdelikt hatte er aber offensichtlich nichts zu tun.
Die zuständige Bonner Polizei entsandte eine Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Hartmut Becker zur Bahnhofstraße. Die Kriminalisten sicherten Spuren und dokumentierten den Tatort sowie die Fluchtwege des Verdächtigen und der verletzten Zeugin. Das Technische Hilfswerk leuchtete das weitläufige Areal aus. Die Freiwilligen beteiligten sich zudem an der Suche nach der Tatwaffe, die aber nicht gefunden wurde. Staatsanwältin Monika Volkhausen, die die Ermittlungen federführend leitet, ordnete eine Obduktion des Leichnams an. Er wurde am Morgen schließlich von einem Bestattungsunternehmen zur Gerichtsmedizin nach Bonn gebracht.
In der Nacht tauchte die Mutter des mutmaßlichen Täters aus Köln kommend vor der Polizeiwache auf. Vermutlich hatte sie Kontakt zu ihrem Sohn, schnell machten Gerüchte die Runde, der Mann könne sich etwas antun. Polizisten kümmerten sich um die aufgebrachte Dame, brachten sie später noch nach Hause. Gegen 7.45 Uhr war die Spurensicherung beendet, ein Beamter rollte die rot-weißen Absperrbänder ein. Kurz darauf zeugten nur noch grüne Kreise um kaum erkennbare Blutspritzer von dem brutalen Verbrechen. Dem Vernehmen nach ist der Täter in Rheinland-Pfalz, nach seiner Flucht, festgenommen worden.
Am Montag-Nachmittag standen die Freunde des Toten und trauerten gemeinsam um das Opfer vor dem Haus in dem die Tat geschehen war.
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