Von Petra Römer-Westarp, 08.03.10, 16:48h
Einige Male hat Fischer mit Lehrern aus seinem Kollegium die Reformschule besucht und Anregungen geholt. Vor drei Jahren gab es einen Gegenbesuch von fünf Jenaplan-Schülern in Troisdorf. „Was sie uns nach einer Woche an Eindrücken mitgeteilt haben, war für uns aufschlussreicher als jede Qualitätsanalyse“, berichtet Fischer. Seitdem sind am Altenforst-Gymnasium etwa die Türen der Klassenzimmer nicht mehr abgeschlossen. Dass die Türen der Räume außerhalb des Unterrichts zu waren, fanden die Jenaer Schüler befremdlich. „Schule ist doch für Schüler da, wir können doch unsere Klientel nicht aussperren - ganz besonders nicht jetzt, da wir Ganztagsschule sind“, hat Fischer erkannt. Die Räume können die Schüler jetzt außerhalb der Unterrichtsstunden als Rückzugsraum nutzen.
Viele Nachahmer
Die Unterrichtsstruktur und Lernkultur, die Fischer an der Jenaer Schule kennen gelernt hat, inspirierten ihn und sein Kollegium, auch die Weichen für den Unterricht am Altenforst neu zu stellen. Unterrichtseinheiten von 60 Minuten führte das Altenforst-Gymnasium als eine der ersten Schulen in Nordrhein-Westfalen ein und fand damit auch im Rhein-Sieg-Kreis Nachahmer.
Dass auch der Unterricht an sich heute anders gestaltet werden muss, um effektiv zu sein, liegt für Fischer auf der Hand - nicht nur wegen des Schuljahres, dessen Stoff aufgeholt werden müsse, sondern auch wegen der neuen Erkenntnisse zum Lernen von Hirnforschern wie Manfred Spitzer oder Gerald Hüther.
In Jena konnten sich die Troisdorfer Lehrer zum Beispiel davon überzeugen, dass mehr Selbstbestimmung beim Lernen für die Schüler eine große Motivation darstellt. Auch in der Troisdorfer Schule sollen die Jugendlichen deshalb zunehmend selbst planen, in welchem Rhythmus sie lernen möchten. Wochenarbeitspläne sollen helfen, das Lerntempo, aber auch - wenn dies möglich ist - Lernthemen selbst zu bestimmen. Weil daneben gerade das Lernen in Gruppen als sehr effektiv gilt, sind am Altenforst die Klassenräume umgestaltet worden. Die Sitzordnung ist nicht mehr frontal ausgerichtet und die Tische wurden zu Gruppen zusammen geschoben.
In allen Räumen gibt es vier „White Boards“ an den Wänden, wo die Schüler in den Präsentationsphasen ihre Arbeitsergebnisse darstellen können. Fischer stellt sich vor, dass die Schüler im Kreis zusammen sitzen, in den Phasen, in denen der Lehrer wichtige Informationen für alle gibt. Ansonsten möchte der Direktor die Zentrierung des Unterrichts auf den Lehrer sowohl konzeptionell als auch räumlich vermeiden. „Der Lehrer ist eine Art Moderator.“ Sein Arbeitsplatz sei in einer Ecke des Zimmers. Meist sei er aber auch im Raum unterwegs und gehe von Tisch zu Tisch, um die Schüler zu beraten.
Auf den Gängen hat Gerhard Fischer ausklappbare Tische für kleine Lerngruppen anbringen lassen. Daran findet das Klassenzimmer seine Fortsetzung. Dass die Klassenräume seit einem Jahr Glastüren haben, unterstütze das Konzept eines unbegrenzten, transparenten Lernraums. Manche Lehrer hatten zunächst Ablenkungen für die Schüler befürchtet. „Heute haben alle gemerkt, dass die Glastüren praktisch sind“, sagt Fischer. Weil das Lernen nicht mehr auf den Klassenraum beschränkt ist, gibt es in den großzügigen Fluren des Gymnasiums an vielen Stellen Tische und Sitzgruppen.
Die neue Lernkultur aber auch tatsächlich umzusetzen, brauche auch am Altenforst-Gymnasium seine Zeit, räumt Schulleiter Fischer ein. „Nicht jeder Kollege kann sein Unterrichtskonzept von heute auf morgen umstellen. Man muss das Ganze als Prozess verstehen.“ Für die Lehrer hat er übrigens zwei weitere Arbeitsräume mit Einzelplätzen einrichten lassen. Sie müssen wegen des Ganztagsbetriebs künftig einen Großteil der Unterrichtsvorbereitung in der Schule erledigen. Aber auch eine Kaffeetheke zum Entspannen und Kommunizieren gibt es im Lehrerzimmer. Als fertig empfindet Gerhard Fischer seine Schule dabei noch lange nicht. „Wir brauchen noch Räume für Zusatzangebote am Nachmittag und für Veranstaltungen außerhalb der Stundentafel.“
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