Von Christian Leinweber, 01.03.10, 14:29h, aktualisiert 02.03.10, 10:25h
Seit nunmehr zehn Jahren gibt es das Rockforum Muchstock (RFM), das seinen nicht-kommerziellen Contest in Kooperation mit dem Bandwettbewerb „Local Heroes“ veranstaltet. Unterstützt wird dies vom „Rhein-Sieg-Anzeiger“ und von Jörg Erkelenz' Label Nicrothal Records.
Erkelenz, Mitbegründer des RFM, erklärt die Besonderheiten des Wettbewerbs: „Zum einen steckt ein Netzwerkgedanke dahinter, zum anderen gibt es keine Teilnahmegebühr.“ Im Gegenteil: Hier bekommen die Bands sogar Spritgeld für die Anreise. Für Gruppen, die knapp bei Kasse sind, ist der Wettbewerb also eine gute Gelegenheit, sich vor Publikum und einer Jury zu präsentieren. Die Vorentscheidung, welche Band auf die Bühne darf, läuft über ein Online-Voting auf den Internetseiten des Rockforums. Am Konzertabend wählt dann jeder Besucher seinen Favoriten. Die Gruppe mit den meisten Stimmen kommt weiter. Diesmal geht es um einen Platz im Halbfinale im September.
Mit den Spacetoasters startet das Konzert furios: Ein kräftig rumpelndes Schlagzeug, melodiereiches Gitarrenspiel und ein funkiger Bass bilden die Grundlage für die garagenrockigen Songs des Trios. Stilistisch abwechslungsreich hangeln sich die Spacetoasters von Bubblegum-Punk über Ska-infizierte Popsongs bis hin zu hymnischen Gitarren-Schrammeleien in bester Indie-Rock-Tradition. Die deutschen Texte sind humorvoll, und Sänger Später transportiert sie mit lässigem Augenzwinkern.
Der Leichtigkeit der Spacetoasters steht die Brachial-Dampfwalze Jacobs Ladder gegenüber. Das Quintett spielt seinen alternativen Metal mit strotzender Energie, aber leider auch zu viel Pathos. Trotzdem: Die Mischung aus progressivem Riffing - schwermetallisch verstärkt - und gewaltiger Rhythmusfraktion lässt düstere Hymnen entstehen, denen man sich nicht so leicht entziehen kann.
Ob Spacerock, progressiver Alternative Rock oder britischer Psychedelic Sound: „Phyria“ schafft es, gekonnt Rockstile zu verbinden. Wehmütig, ohne weinerlich zu sein und hymnisch, ohne plakativ zu wirken. Überbordend, aber nie überladen entwerfen die drei Instrumentalisten und ihr Sänger ein Schwindel erregendes Klangbild: melodiereich-verspielt und nicht selten von wagnerianischer Wucht. Die Krefelder überzeugen auch das Publikum: „Phyria“ gewinnt diesen Abend und damit das Ticket fürs Halbfinale im September.
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