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Siegtalstrecke

Neuer Anlauf für schnellere Bahn

Von Stephan Propach, 26.02.10, 16:16h, aktualisiert 01.03.10, 16:01h

Der Kreis und seine Nachbarn treffen sich zu Gesprächen mit der Deutschen Bahn. Diskutiert werden soll der Ausbau der Siegtalstrecke. Die betroffenen Kreise drängen zur Eile.

Tunnel
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Engpass: In Windeck-Rosbach sind Tunnel und Siegbrücke nur eingleisig befahrbar. Es ist aber Platz für zwei Gleise. BILDER: PROPACH
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Engpass: In Windeck-Rosbach sind Tunnel und Siegbrücke nur eingleisig befahrbar. Es ist aber Platz für zwei Gleise. BILDER: PROPACH
Rhein-Sieg - Schnellere und möglichst mehr Personenzüge zwischen Hessen und dem Siegerland im Osten sowie Köln und Bonn im Westen. Für dieses Ziel kämpfen Kommunen und Kreise entlang der Siegtalstrecke seit Jahren. Vor allem die Anrainer im Westerwald, Siegerland und Hessen fürchten, dass ihnen Fachkräfte den Rücken kehren, um in die Ballungsräume am Rhein abzuwandern. Aktuell formiert sich erneut ein Bündnis. Noch in diesem Jahr soll es Konferenzen mit der Deutschen Bahn geben.

„Für uns ist die Siegstrecke eine Hauptschlagader, die wichtigste neben der ICE-Strecke Köln-Frankfurt“, erklärt Berno Neuhoff, Wirtschaftsförderer im Kreis Altenkirchen. Tausende Pendler seien täglich ins Oberzentrum Köln / Bonn unterwegs. Ganz abgesehen von denen, die aus Westfalen und Hessen mit den Zug kommen. „Ohne die schnelle Verbindung bluten wir aus,“ meint Neuhoff. „Wir sitzen alle in einem Boot“ unterstreicht sein Kollege Reinhard Kämpfer in Siegen. Er verweist auf die Verspätungen der Züge auf der Siegstrecke, die „außerordentlich problematisch“ seien.

Neben den nordrhein-westfälischen Kreisen Rhein-Sieg und Siegen-Wittgenstein sitzen deshalb auch Rheinlandpfälzer aus Altenkirchen im Westerwald und Hessen aus dem Lahn-Dill-Kreis mit am Tisch. Außerdem wird der Wunsch nach besseren Verbindungen vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und dem Verkehrsverbund Ost-Westfalen-Lippe (VVOWL) mit seinem Partner Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) in Siegen sowie den Industrie- und Handelskammern im Dreiländereck getragen. Knackpunkt aller Überlegungen, die Siegstrecke schneller und damit attraktiver zu machen, ist vor allem der Knotenpunkt Köln. Das bestätigt auch Bahnsprecher Udo Kampschulte. Bis zum S-Bahn-Haltepunkt Steinstraße lägen dort von Süden kommend sechs Gleise, neben der Siegstrecke die östliche Rhein-Strecke und die ICE-Trasse Köln-Frankfurt. Ab Steinstraße geht es bis Deutz mit nur vier Gleistrassen weiter, auf der sich Nah- und Fernverkehr und zum Teil auch Güterzüge tummeln. Pläne, diesen Flaschenhals zu erweitern, gibt bislang nur für den Abschnitt zwischen der Flughafenanbindung Nord und Deutz. 2011 soll dort das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau auf sechs Gleise beginnen. Wie lange es noch bis zum tatsächlichen Bau dauert, wagt auch Kampschulte nicht vorherzusagen. Allerdings werde dieser Ausbau auch die Siegstrecke ein wenig entlasten, selbst wenn danach noch ein knapper Kilometer vierspuriger Engpass zwischen Steinstraße und der Flughafenanbindung Nord bleibe.

Die Kommunen an der Siegstrecke wollen mehr. Ihr Ziel ist am Ende sogar die völlige Beseitigung aller Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg. Seit weit über 60 Jahren nämlich fahren Züge in den beiden Abschnitten zwischen Windeck-Rosbach und -Schladern sowie Hennef-Blankenberg und Eitorf-Merten über eingleisige Trassen. Und das, obwohl das zweite Gleis auf den Trassen und Brücken sowie in den Tunneln bis zum Krieg schon einmal verlegt war. Oft genug müssen Züge aufeinander warten. Allerdings, so erklären die Experten übereinstimmend, bringe der zweigleisige Ausbau ohne den in Köln kaum Verbesserungen und rechne sich allein nicht.

In einen noch größeren Zusammenhang rückt deshalb Norbert Reinkober, Geschäftsführer des VRS in Köln, die Initiative um die Siegstrecke. Für ihn geht es um den Ausbau des Kölner Bahnknotens als ganzes, inklusive neuer Gleise im Hauptbahnhof und in Deutz, und einem Zusammenwachsen der beiden Stationen zu einer großen mit interner (Seilbahn-)Verbindung über den Rhein. Es sei das erste Mal, dass auch die übrigen großen Verkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen von der Deutschen Bahn sowie Landes- und Bundesregierung diesen Ausbau in Köln forderten. „Wir waren noch nie so weit“, meint Reinkober.

Trotzdem dämpft der VRS-Chef die Erwartungen. Zehn Jahre sei für die Ausbauten ein realistischer Zeitraum. Schließlich gehe es um zahlreiche Einzelprojekte, inklusive der Brückenverbreiterungen und Tunnelausbauten an der Sieg. Zunächst werde jetzt die zweite Knotenpunktuntersuchung in der Bahngeschichte überhaupt in Auftrag gegeben. Die solle feststellen, mit welchen Wachstumsraten samt Folgen rund um Köln im Güter-, Nah- und Fernverkehr zu rechnen sei. Reinkober selbst schätzt die Steigerung auf mindestens 60 Prozent. Noch in diesem Jahr werde es außerdem zwischen Aachen und Siegen Bahnkonferenzen geben, die die Ausbaupläne gegenüber den Geldgebern Bund und Land massiv untermauern sollen.



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