Von Christian Leinweber, 21.01.10, 16:10h
Denn was Lead-Gitarrist Jan Demmer (23), Rhythmus-Gitarrist Christoph Rödiger (24), Bassist Daniel Stratmann (23) und die Brüder Matthias Zöllig (24, Gesang) und Michael Zöllig (27, Schlagzeug) auf ihrem aktuellen und bereits zweiten Longplayer „Brood of a Social Distortion“ veranstalten, ist atemberaubend.
Mit einer präzisen Mischung aus salvenartigen Rhythmen, Gitarrenriffs in Hochgeschwindigkeit und mitreißenden Melodien feuern Tormentor aus allen Rohren gleichzeitig. Düstere Melodien ziehen über einen donnernden Klangteppich, auf dem sich Doublebass und Gitarre eine wilde Verfolgungsjagd liefern. In der Ferne: das bedrohliche Wummern des Basses. Mittendrin: Matthias Zölligs hymnischer Raugesang, der wie eine Mischung aus Metallicas James Hetfield und Panteras Phil Anselmo klingt. Die zwei Querverweise können zur groben musikalischen Orientierung dienen, sollten aber die Eigenständigkeit des Quintetts nicht in Frage stellen.
Denn ihren Sound haben Tormentor mittlerweile gefunden. Das brauchte Zeit. „Wir haben die Band 2003 als Freunde zusammen gegründet und damals auch erst angefangen, zu musizieren“, so Stratmann. „Dementsprechend hört man auch unsere Entwicklung als Bandmusiker an den Songs. Wir sind miteinander gewachsen.“ Demmer war der Einzige, der sein Instrument beherrschte, für alle anderen hieß es: hart arbeiten. Sänger Zöllig erinnert sich: „Das war am Anfang schwer. Es war nur 4 / 4-Takt möglich, keine komplizierten Schlagzeug-Fill-Ins. „Alles, 'was man neu lernen musste, wurde 'reingeprügelt.“
Mit Erfolg: Tormentor gewannen 2008 den „Muchstock-Bandcontest“, an dem der „Rhein-Sieg-Anzeiger“ beteiligt ist. Die Band konnte dort nicht nur musikalisch überzeugen, sondern wohl auch mit ihren kritischen Texten. Dazu Matthias Zöllig, der neben Stratmann die Songtexte schreibt: „Wir wollen auf Brennpunkte aufmerksam machen.“ Zu diesen Brennpunkten gehören Krieg, Terrorismus, Amokläufe und Jugendgewalt, wie im Song „Age of Aggression“. Stratmann über den Hintergrund: „Vor allem bei den Jugendlichen herrscht Aussichtslosigkeit - keine Arbeit, keine richtige Bildung. Sie wissen nicht, was sie machen sollen und laufen dann durch die Straßen und schlagen Leute zusammen.“
Ihre Sozialkritik verpacken Tormentor in intelligente englische Texte, die nachdenklich stimmen, ohne anzuklagen. „Wir versuchen, mit den Lyrics keine politische Richtung einzuschlagen, sondern wertfrei zu bleiben“, erklärt Zöllig. „Aber man muss mit drastischen Mitteln die Leute auf Probleme aufmerksam machen, damit sie auch über eine Lösung nachdenken.“
Und so ist auch „Brood of a Social Distortion“ ein brutaler Weckruf für eine verschlafene Gesellschaft, ein „peinigendes“ Thrash-Monument.
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