Von Andreas Helfer, 12.01.10, 10:25h
Die Kölner Behörde bestätigt, was ihm auch schon der Schulleiter gesagt hatte: Es habe eine Reihe von Kurzzeiterkrankungen gegeben, weiterer Unterricht sei durch Praktikumsbesuche einer Lehrkraft ausgefallen. Wesentliche Teile des Fachunterrichts habe man aber durch Umschichtungen und Ersatzeinstellungen auffangen können. Eine vollständige Vertretung sei aber „nicht mehr zu leisten gewesen“.
Ausführliche Schilderung
Die Landesregierung nimmt mit einem langen Schreiben Stellung, in dem ausführlich die Einstellungspolitik geschildert wird - und ein Problem: Zurzeit sei es schwierig, „regional und für bestimmte Fächerkombinationen in ausreichender Zahl Lehrkräfte zu finden“. Seit 2005 habe man den Unterrichtsausfall um mehr als die Hälfte reduzieren können.
Wirklich zufrieden ist Falkenberg nicht mit den Auskünften, zumal andere Eltern für den gleichen Zeitraum von Ausfällen an den beiden Troisdorfer Gymnasien berichteten - er vermutet eine Schwäche im System. Und liegt damit richtig. Wie Hönscheid dem „Rhein-Sieg-Anzeiger“ erläuterte, haben Schulen Schwierigkeiten, kurzfristig für Ersatz zu sorgen, wenn Lehrer krank werden. „So eine Ballung habe ich noch nie erlebt“, sagt Hönscheid zudem mit Blick auf die Zeit nach den Herbstferien.
Der Leiter kann eine Vertretung erst beantragen, wenn ein Kollege mehr als vier Wochen krankgeschrieben ist. Wie in anderen Berufen auch, sei es aber üblich, dass auf eine Krankmeldung für ein paar Tage die nächste folge. Um den Ausfall in der Realschule auszugleichen, hätten die anderen Lehrer „bis zum Anschlag gearbeitet“. Abhilfe könnten nur kurzfristig verfügbare Vertretungskräfte schaffen. „Wir fordern seit Jahren Springer, die man flexibler einsetzen kann.“ Er räumt allerdings ein, dass das kaum zu organisieren sei: „Dazu bräuchte man mindestens eine Überhangstelle.“
Hönscheid zufolge stehen die Realschulen im Wettbewerb um Personal schlecht da. Viele Lehrer mit Berechtigung für die Sekundarstufe II verließen bei der erst besten Gelegenheit die Realschulen in Richtung Gymnasium, ohne dass sich die Schulleitung dagegen wehren könne. Noch schwieriger sei es, wenn er Lehrer für ein bestimmtes Fach suche: „Einen Chemielehrer zu bekommen, ist unmöglich.“
Gerhard Fischer, Leiter des Gymnasiums „Zum Altenforst“, bestätigt dagegen nicht, dass es nach den Ferien zu vielen Ausfällen gekommen sei. Allerdings sei diese Zeit „jahreszeitlich und krankheitsbedingt besonders schwierig“. Immer Vertretung in vollem Umfang zu gewährleisten sei „unrealistisch“. Springer gibt es Fischer zufolge in Hessen: Bis zu 40 000 Euro könnten dort Schulen von der Größe des Altenforst-Gymnasiums für solche Zwecke bekommen. Diese Programme seien aber umstritten, denn: „Man kann nicht erwarten, dass eine Vertretung einer normalen Unterrichtsstunde entspricht“, warnt Fischer. „Technisch ist das eine sinnvolle Lösungsmöglichkeit, aber es kommt sehr auf den Pool verfügbarer Personen an.“
Abwanderung in andere Länder
Immer mehr Lehrer wanderten ohnehin in andere Bundesländer ab, weil in NRW die Altersgrenze für Verbeamtungen vergleichsweise niedrig sei. Hierzulande liege sie bei 40 Jahren, während es in Rheinland-Pfalz 45 und in Hessen gar 50 Jahre seien.
Auch Martina Schwarz, Leiterin des Heinrich-Böll-Gymnasiums, zufolge hat es in der fraglichen Zeit keine signifikanten Ausfälle gegeben. „Das lag im Rahmen des Üblichen.“ Flexible Vertretung zu gewährleisten, hält sie für eine hypothetische Frage. „Wen findet man dafür?“
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