Von Ralf Johnen, 08.01.10, 10:01h
Ricarda ist 19 Jahre alt und hat im vergangenen Jahr Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Niederpleis gemacht. Seit August nun lebt sie in Felipe Pinglo, einem winzigen Dorf fernab der Zivilisation, „ohne fließend Wasser, ohne Strom“, wie Iris Schumacher sagt. Im Auftrag des Vereins „Ecoselva“ hilft sie ein Jahr dabei, den Regenwald als „Erbe der Menschheit“ vor weiterer Zerstörung zu bewahren.
Mutter Schumacher freilich ist nicht ganz unschuldig daran, dass es ihre Tochter in den Regenwald gezogen hat, denn sie hat „Ecoselva“ gemeinsam mit ihrem Ehemann Heiner Stienhans im Jahre 2008 selbst gegründet. Mittlerweile ist der Verein Teil des Programms „weltwärts“, einem Freiwilligendienst des Entwicklungshilfeministeriums.
Drei Augustiner im Einsatz
Bereits ein Dutzend freiwilliger Helfer ist für „Ecoselva“ im Einsatz, darunter mit Max Polewsky (19) und Jeremias Schledorn (19) zwei weitere Abiturienten des AEG. Ihr Einsatzort befindet sich rund 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lima, wo zehn der 27 Millionen Peruaner leben. Die Entfernung zur Metropole scheint überschaubar. Doch wie Schumacher erklärt, ist die Reise strapaziös: „Es geht über einen 4800 Meter Anden-Pass und hinter Tingo Maria über unasphaltierte Straßen.“
In Felipe Pinglo wohnt Ricarda Stienhans bei einer Indio-Familie, die eher schlecht als recht von der Landwirtschaft lebt. Hauptsächlich wird dort in der Gegend Kaffee angebaut - unter stark verbesserungswürdigen Bedingungen. Wie Iris Schumacher erzählt, konnte die Qualität des Kaffees jedoch mit Hilfe einiger kleiner Kniffe beträchtlich gesteigert werden.
So werden die Kirschen nunmehr unter Planen getrocknet, und nicht mehr unter freiem Himmel, wo Fäule auftritt und sich Tiere daran laben. „Außerdem braucht Kaffee Schattenbäume, um gut gedeihen zu können.“ Auch diese stehen inzwischen. Unmittelbare Folge: Die staatliche Kooperative im Oberzentrum Tingo Maria zahlt den Bauern nicht mehr nur 100 Dollar pro 48-Kilo-Sack, sondern 150.
Die Qualität, sagt Schumacher, ist sogar so weit gestiegen, dass Verhandlungen mit der Troisdorfer Kaffeerösterei Schmitz-Mertens laufen, den Rohstoff zu importieren. Die 54-Jährige ist zuversichtlich, dass die Gespräche zum Erfolg führen.
An mangelnder Erfahrung jedenfalls dürfte es nicht scheitern. Iris Schumacher war bislang für den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) tätig, der jedoch nach Berlin abwandert. Ihr Mann Heiner Stienhans arbeitet seit mehr als 25 Jahren für die Deutsche Welthungerhilfe. Beide haben Peru schon mehrmals gemeinsam bereist. Auch wenn ihnen bewusst ist, dass ihre Hilfestellung nicht flächendeckend sein kann, will Schumacher Ecoselva künftig hauptamtlich vorantreiben.
Die bisherigen Ergebnisse machen Mut, sei es durch die Schaffung eines Bewusstseins dafür, dass der Regenwald eine kostbare Ressource ist, die es unbedingt zu schützen gilt, oder durch konkreten Wissenstransfer.
Zum Beispiel haben einige Bauern eine Reise in das Städtchen Pozuzu unternommen, wo sie lernten, wie man einen Ofen baut, wie Iris Schumacher erzählt. In ersten Hütten ist nun das ebenso gesundheitsschädliche wie unkomfortable offene Feuer Geschichte. Davon profitiert auch Ricarda Stienhans, denn der erste gemauerte Ofen in Felipe Pinglo steht in der Hütte ihrer Gastfamilie.
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