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Ausstellung

Grenzgang zwischen richtig und falsch

Von Jürgen Röhrig, 08.01.10, 09:23h, aktualisiert 10.01.10, 16:12h

Die Mitgliederschau des Kunstvereins Rhein-Sieg hat in diesem Jahr ein griffiges Thema gewählt: Fälschung. Die Ausstellung „Alles falsch“ ist im Siegburger „Pumpwerk“ noch bis Ende Februar zu sehen.

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„Zu falsch?“ Die Siegburger Malerin Stephanie Reschke zeigt eine Selbstporträt-Collage. REPROS: JÜRGEN RÖHRIG
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„Zu falsch?“ Die Siegburger Malerin Stephanie Reschke zeigt eine Selbstporträt-Collage. REPROS: JÜRGEN RÖHRIG
Siegburg - An dieser Ausstellung ist nichts richtig falsch, aber die Grenze zwischen echt und unecht wird bewusst verwischt. Die jährliche Mitgliederschau des Kunstvereins Rhein-Sieg hat diesmal ein witziges und griffiges Thema: Fälschung. Das regt die Fantasie der Künstler und des Publikums an. 26 Teilnehmer verzeichnet die Einladungskarte, einer wurde vergessen (doch ein Fehler). Die unterschiedlichsten Stile und Themen werden auf das Motto bezogen, nicht alle Künstler haben eigens für diesen Auftritt gearbeitet, was nicht falsch sein muss, viele haben echt humorvolle Beiträge geliefert.

Kunst also, die Spaß macht - so wie die große Collage von Stephanie Reschke: Ihr Selbstporträt ist darauf in Fotos und farbigen Zeichnungen elfmal zu sehen, flankiert von kurzen Texten wie „zu ernst“, „zu grau“, „zu brav“ oder „zu falsch“. Eine Person, die sich wandelt, vielleicht auf der Suche nachdem richtigen Ich - das Bild erscheint als muntere Selbstbespiegelung.

„dieses Bild hängt schief“ steht es schwarz auf einer weißen Leinwand, die vollkommen gerade hängt. Das Pendant daneben hängt indes deutlich schief, der Text darauf sagt: „dieses Bild hängt gerade“. Dieser konzeptuelle Bildwitz von Sabine Poluschkin hat noch ein zweite Ebene: der schiefe Satz ist schief, der gerade gerade. Was also ist hier richtig? Unentscheidbar, wie manchmal im richtigen Leben. Die Skizze zu dem Projekt gibt den Hinweis, das es sich tatsächlich um lebensweise Ironie handelt: „Ehe“ ist dort als Titel genannt - diesen Entwurf sollte man mit ausstellen.

Einer Kunst-Fälschung im klassischen Sinne nähert sich Georg Tokarz mit seinem „Besuch bei Matisse“. Auf 90 mal 60 Zentimetern entwirft er mit delikater Malerei ein Interieur, das in typischer Matisse'scher Manier das Pflanzenornament feiert. Zu den wenigen Objekten in der Ausstellung zählt die „Falsche Schlange“ von Birgit Müffeler: Der mit einem farbigen Raster (Öl auf Acryl) überzogene 66 Zentimeter hohe Torso erinnert an die mythologischen Vorstellungen vom Weib als Schlange. Das ist nicht genderpolitisch korrekt, aber das sagt das Werk auch selbst: Die Schlange ist eben falsch.

Das Künstler-Freundespaar Hans Delfosse (der fehlende Name) und Jiri Necas inszeniert die Aufgabe der Fälschung als Spiel. Die beiden haben ihre feinen abstrakten Aquarell- und Tusche-Zeichnungen ausgetauscht und jeweils mit neuen Zeichnungen darauf reagiert. Exakt beibehalten haben sie die Kompositionsstrukturen. Trotzdem ergeben sich durch die unterschiedlichen Handschriften aber verschiedene Bilder.

Mehr in die Verwirrung der Ununterscheidbarkeit von richtig und falsch stürzt da Bruno Russi den Betrachter. Er stellt zwei Paare jeweils identischer Bilder vor, abstrakte Farbfeldmalerei, die jegliche individuelle Handschrift vermeidet und deshalb leicht wiederholbar ist. Auch Fotografie-Arbeiten sind von mehreren Teilnehmern zu sehen, darunter Foto-Collagen von Rolf Hucke. Er zerschneidet die Bilder in schmale Streifen, die wie ein Strichcode neu arrangiert werden. Alle vier Bildfelder auf der Arbeit „Ohne es zu bemerken ...“ sind ähnlich, doch die Untertitel jeweils anders: „... bin ich allein“; „... langweile ich mich“; „... bin ich am leben“ und „... fühle ich mich wohl“. Die Arbeit erscheint als Experiment darüber, wie die eigentlich abbildende Fotografie ins Ungegenständliche versetzt und durch Texte mit Bedeutung wieder aufgeladen werden kann, wobei auch hier das Echte und Richtige willkürlich gesetzt ist. Insgesamt eine sehenswerte und anregende Ausstellung.

Alles falsch?! „Pumpwerk“ Bonner Straße 65 in Siegburg. Eröffnung am Samstag, 9. Dezember, um 16 Uhr; zu sehen bis 26. Februar.

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