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Die letzte Ruhestätte unter Bäumen

Von Stephan Propach, 20.11.09, 19:10h

In einem Waldstück bei Eitorf darf menschliche Asche auch ohne Urne beerdigt werden. Auch anonyme Grabstellen sind in dem Wald möglich. Für seine Arbeit benötigt der Bestatter auch ein GPS-Gerät.

Begräbnis
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Anonyme Beerdigung im Eitorfer Begräbniswald: Dietmar Kapelle schüttet Asche in ein Erdloch. Danach schließt er es und spricht ein Abschiedswort. BILD: Stephan Propach
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Anonyme Beerdigung im Eitorfer Begräbniswald: Dietmar Kapelle schüttet Asche in ein Erdloch. Danach schließt er es und spricht ein Abschiedswort. BILD: Stephan Propach
Ein kleines Holzschild ist zunächst alles, was auf den besonderen Ort hinweist, den der Spaziergänger nordöstlich des Eitorfer Dörfchens Bohlscheid betritt. Wenn nicht gerade die Sonne scheint, fallen erst auf den zweiten Blick viele kleine Messingschildchen ins Auge, die an einzelne Bäume geschraubt sind. Jedes trägt einen Namen und jedes hängt da für einen Menschen, dessen Asche am Fuß des jeweiligen Baumes beerdigt wurde. Der Begräbniswald Eitorf ist, so berichtet der Betreiber Dietmar Kapelle, der erste in Deutschland, in dem menschliche Asche ohne eine Urne bestattet werden darf.

Die Idee, Begräbniswälder zu betreiben, kam Kapelle in der Schweiz. Ein Nachbar erzählte ihm von dem Plan, seine Asche auf dem eigenen Grundstück ausstreuen zu lassen. Kapelle, der bis vor acht Jahren mehrere Geschäftsführerposten in der Papier verarbeitenden Industrie innehatte, betreibt seitdem seine Begräbniswälder, sieben in der Schweiz und seit einem Jahr den achten in Eitorf.

An die Obere Sieg kam Kapelle eher zufällig. Das Waldstück mit über 30 000 Quadratmetern sei in einer Zeitung angeboten worden. Sowohl Bürgermeister Rüdiger Storch als auch sein Beigeordneter Karl Heinz Sterzenbach seien sehr aufgeschlossen gewesen. Und im Sommer 2008 habe dann auch der Rhein-Sieg-Kreis die erforderlichen Genehmigungen erteilt.

Seitdem wurde im Eitorfer Begräbniswald die Asche von 115 Menschen beigesetzt. Insgesamt hat Kapelle über 4000 Beerdigungen begleitet. „Die wenigsten möchten das anonym“, erklärt er. Meist finde die kirchliche Aussegnungsfeier freitags statt, die eigentliche Beisetzung samstags. Mal reisen die ganze Familie und der Freundeskreis an, mal sind nur wenige Angehörige dabei. Evangelische Pfarrer und einmal auch ein katholischer Geistlicher hätten die schlichten Feiern schon begleitet. „Wenn es gewünscht wird, spreche ich ein paar Worte, nachdem die Familie die Asche in die Erde gestreut hat“, berichtet Kapelle. Allein am vergangenen Samstag hat er in Eitorf sieben Bestattungen durchgeführt.

Sehr oft haben sich die Verstorbenen den Baum, an dessen Wurzeln ihre Asche begraben werden soll, lange vorher selbst ausgesucht. Eine schlichte Plakette mit den Buchstaben „res“ für reserviert zeigt im Wald bei Eitorf solche Plätze an. Kapelle bietet in dem Laubwald beindicke Bäume als Familien- oder Gruppenbäume für bis zu 24 Bestattungen an (1590 Euro inklusive der ersten vier Grabplätze, jeder weitere Platz 590 Euro).

Wer tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sich auch dicke Buchen oder Eichen für bis zu 5000 Euro reservieren lassen. Anonyme Beerdigungen finden im Waldboden irgendwo zwischen den Bäumen statt. Und auch für 490 Euro verspricht Kapelle entsprechende Würde.

Um alle Beerdigungen für Angehörige und nicht zuletzt für die Behörden zu dokumentieren, misst Kapelle die Grabstellen mit einem GPS-Ortungsgerät ein. „Schließlich weiß niemand, wie das hier nach einem verheerenden Sturm wie Kyrill einmal aussieht“, erklärt er. Peinlich genau geregelt sind wie bei jedem anderen Friedhof auch die Ruhezeiten. „Bei uns gilt die Eitorfer Friedhofssatzung.“ Da sind 30 Jahre festgeschrieben. Im Grundbuch hat Kapelle außerdem eine Sperrfrist von weiteren 30 Jahren eintragen lassen, die erst dann beginnt, wenn einer seiner Nachfahren den Wald einmal verkaufen sollte. „Bei uns ist außerdem sicher, dass nicht nach 30 Jahren ein Bagger kommt und womöglich Urnen auf dem Müll landen,“ verspricht er. Ausgebildeter Bestatter ist Kapelle nicht. Darauf legt er trotz seiner acht Jahre Erfahrung wert. Allerdings arbeite er bundesweit und in der Schweiz mit zahlreichen Bestattern zusammen. Und bei Bedarf führt er sogar durch seine Begräbniswälder, denen er demnächst in der Eifel einen neunten hinzufügen möchte.

 www.ksta.de/rsa-bilder

 www.naturbestattungen.de



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