Von Andreas Helfer, 14.10.09, 11:27h, aktualisiert 15.10.09, 19:20h
Die gefleckte Heidelibelle ist Wünsch zufolge zuletzt 1993 beobachtet worden, bis sie ihm vor kurzem vor die Linse geriet, und auch der Comma-Dickkopf wurde das letzte Mal vor 13 Jahren gesichtet. Für den „Ulmen-Zipfelfalter“ vermerkt er als Erstentdeckung den 27. Juli.
Würden die Heideflächen, etwa am Herfeldmoor, anders gepflegt, würde Wünsch nach seiner Einschätzung noch mehr Bildmotive finden. „Die Wiesen werden zu früh geschnitten“, ärgerte er sich - besser als der Termin Anfang August wäre es, Ende September zu mähen.
Trotz aller Begeisterung über die Neuankömmlinge stimmt Wünsch das Auftauchen mancher Arten auch bedenklich. Wenn er etwa auf die „Südliche Binsenjungfer“ stößt, dann sieht er darin eine Folge des Klimawandels und der höheren Temperaturen in hiesigen Breitengraden. Das Insekt war bislang eher in Norditalien heimisch, und Wünsch kann sich die Erstentdeckung in der Heide nur damit erklären, dass die Libellen den Weg über die Alpen genommen haben. Der „kleine Eisvogel“, ein Schmetterling, habe in der Heide erstmals zwei Generationen in einem Jahr entwickelt - und das sei in der Bundesrepublik überhaupt das erste Mal gewesen.
Die ausgedehnten Streif- und Entdeckungszüge unternimmt Wünsch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Heide Gospodinova, die sich wie er auf das Fotografieren mit der Digitalkamera versteht. „Wir waren schon immer Naturfreunde und wollten nicht nur spazieren gehen“, sagt Wünsch, der die Ergebnisse nicht für sich behält. So haben die beiden eine Homepage eingerichtet, die auf ein internationales Publikum stößt. „Das geht rund wie ein Lauffeuer“, sagt der 49-Jährige, der mittlerweile Kontakte zu Universitäten in den USA, Israel, Südamerika und Australien unterhält. Erhältlich ist auch eine CD zur Libellenbestimmung mit mehreren hundert Fotos.
Erst vor einem Jahr begann das Paar mit der Fotojagd auf Libellen und Schmetterlinge und machte bereits 30 000 Aufnahmen. Auch das Bündnis für die Wahner Heide profitierte von der Akribie des Paars. Dem Vorsitzenden Holger Sticht schickte Wünsch ein gelungenes Foto, das sich tatsächlich als eine für die Heide neue Libellenart entpuppte. Ein Quäntchen Selbstironie ist bei aller Leidenschaft auch mit im Spiel: Im Internet tritt Wünsch als „Willi Waldschrat“ auf.
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