Von Ingrid Bäumer, 05.08.09, 17:57h
Diese Sicherung durch den Aggerverband wurde nötig, weil das alte Steingemäuer als hochgradig einsturzgefährdet gilt. Doch inzwischen wussten sich einige „pfiffige“ Wanderer Durchgang zu verschaffen: Sie haben die Zäune kurzerhand aufgeschnitten. „Wenn jemand hier zu Schaden kommt, ist er selbst dafür verantwortlich“, warnt jedoch Dietmar Schlösser, der Leiter des Lohmarer Tiefbauamts.
Der Lohmarer Frank Miebach geht dort gern spazieren. Dass so lange nichts getan worden ist, um die Brücke zu erhalten, ärgert ihn. Denn je länger der Zustand andauere, desto weniger Menschen würden das schöne Tal besuchen. „Soll dieses Fleckchen Erde nach und nach der Vergessenheit anheim fallen, damit der Aggerverband hier doch noch seine Talsperre bauen kann?“, fragt Miebach provokativ. Der kommunale Verband hat sich immer noch nicht ganz von alten Plänen verabschiedet, dort eine Trinkwassertalsperre zu erreichten. Miebachs Frage ist, wie er selbst betont, „nicht ganz uneigennützig“: Als Brückenbau-Ingenieur hat er sich auf Holzbrücken spezialisiert. „Ich habe der Verwaltung eine Planskizze unterbreitet“, berichtet er, „bin aber nicht auf besonderes Interesse gestoßen.“
Auch Irmhild Schaffrin von den Lohmarer Grünen befürchtet, dass der Aggerverband durch das Hintertürchen seine Talsperren-Pläne weiterverfolgt: „Noch im Jahr 2006 sagte der Aggerverband, er brauche die Brücke zum Transport von Holz.“ Zum Hintergrund: Der Verband ist Eigentümer vieler Waldflächen im Tal, die er mit eigenem Förster bewirtschaftet. Noch vor drei Jahren forderte der Verband eine Brücke, die auch für Holz-Transportfahrzeuge befahrbar ist. Aber zwei Jahre später erklärte er, das Holz könne auch über die Neunkirchener Seite abtransportiert werden. Eine schmale Brücke nur für Fußgänger, Radler und Reiter reiche deshalb völlig aus. Die Aussage weckt bei der Grünen-Frau Misstrauen: „Was, wenn sich herausstellt, dass der Verband doch den Naafbach queren muss?“ Dann werde eine Furt über das Gewässer gebraucht. Das Schleppen von Baumstämmen über den Fluss aber würde den gefährdeten Eisvogel bedrohen, der dort lebt.
Seltener Eisvogel
Was wiederum zur Folge hätte, dass die EU den besonders streng geschützten „Flora-Fauna-Habitat“-Titel („FFH“) fürs Naafbachtal aberkennen würde. Und dann - so Schaffrin - sei es bis zu einer Talsperre kein allzu weiter Weg.
„Wir werden den Teufel tun und Holz durch die Naaf rücken“, bestreitet Hubert Schalemann vom Aggerverband diese Vermutungen. Eine Furt sei kaum genehmigungsfähig, fügt Lohmars Tiefbauamtsleiter Schlösser hinzu. Schalemann beteuert: „Wir haben einen anderen Weg gefunden: Das Holz wird nach oben gezogen.“ Obwohl der Aggerverband die neu entstehende Brücke also eigentlich nicht brauche, werde er sich „nicht aus der Verantwortung ziehen“ und ein paar tausend Euro der Kosten tragen.
Wie soll das Bauwerk aussehen? In der Debatte sind mehrere Varianten, sagt Tiefbauamtsleiter Schlösser: Entweder die Sanierung der historischen Brücke - die wäre seiner Meinung nach aber viel zu aufwändig und teuer. Noch bis Ende diesen Jahres dagegen könnte eine reine Holzbrücke oder eine Holz-Metall-Konstruktion aufgestellt werden. Kosten: bis zu 100 000 Euro, von denen das Land über die „Regionale 2010“ 70 Prozent übernimmt. Schlösser: „Die Finanzierung ist gesichert.“ Inzwischen liegen mehrere Vorschläge eines von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros vor. Der Bauausschuss soll darüber im September abstimmen.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
ksta.tv