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Aufklärungsprojekt

Baby-Fantasien in der Schule

Von Stephan Propach, 03.06.09, 19:44h, aktualisiert 04.06.09, 14:01h

Liebe, Verantwortung und Sex stehen bei einem Projekt in der Hauptschule Rosbach im Mittelpunkt. Seit etwa fünf Jahren bietet die Diakonie den Schulen „Babyphantasien“ an. Ein Höhepunkt ist immer der Praxistest mit Babypuppen.

Computergesteuerte Babypuppen
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Die zwischen 800 und 1000 Euro teuren, computergesteuerten Babypuppen sind bei dem Projekt „Babyphantasien“ der Hit. Annette Fengler, zeigt den Umgang mit den falschen „Säuglingen“. (Bild: Propach)
Computergesteuerte Babypuppen
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Die zwischen 800 und 1000 Euro teuren, computergesteuerten Babypuppen sind bei dem Projekt „Babyphantasien“ der Hit. Annette Fengler, zeigt den Umgang mit den falschen „Säuglingen“. (Bild: Propach)
Windeck - Ganz einfach ist ihr Job nicht. Wenn Annette Fengler und ihre Kollegin Anke Moisa nachmittags nach Hause fahren, atmen sie erst einmal tief durch. Einen ganzen Vormittag lang haben sie auch am Mittwoch mit Sechstklässlern der Hauptschule über Liebe, Sex und Lebensplanung gesprochen - und natürlich über Verantwortung und Respekt im Umgang Partnern. Seit etwa fünf Jahren bietet die Diakonie An Sieg und Rhein den Schulen „Babyphantasien“ an. Zwei Tage lang arbeiten die ausgebildeten Sexualpädagoginnen mit den jungen Leuten, mit Mädchen und Jungen. Ein Höhepunkt ist für sie der Praxistest mit zwei Babypuppen. Die computergesteuerten Lieblinge simulieren die Bedürfnisse eines Säuglings und bieten so Einblicke in den Alltag echter Eltern.

Brisanz erhält das Projekt der Diakonie durch die RTL-Serien „Erwachsen auf Probe“, die am Mittwoch gestartet ist. Dort versorgen Jugendliche vor laufenden Kameras Säuglinge und machen so den Eignungstests für die Elternschaft. Kritiker monieren vor allem, dass die Kleinkinder durch die Trennung von ihren Eltern leiden würden. RTL hat das relativiert und erklärt, die Eltern hätten jederzeit die Möglichkeit gehabt, einzugreifen. Annette Fengler - sie ist auch stellvertretende Leiterin der diakonischen Beratungsstelle - kritisiert neben der Gefahr großer Verlassenheitsängste bei den Babys den grundsätzlichen Ansatz: Eine so genannte „Probe-Elternschaft“ könne die nach der Geburt entstehende Bindung zwischen Eltern und Kind nicht nachvollziehen. Der Titel der Sendung sei deplatziert und ziele auf reißerische Unterhaltung, die letztendlich dem Verkauf von lukrativen Werbeplätze diene.

Statt Show und Kameras stehen in der Rosbacher Hauptschule Aufklärung und Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Welches Lebensmodell haben die Schüler zu Hause kennen gelernt? Ist das auch das Modell fürs eigene Leben? Natürlich geht es auch um Themen, wie Schwangerschaft und Verhütung. Immer wieder führen die Sexualpädagoginnen die Gruppe auf die Begriffe Respekt und Verantwortung zurück.

Auch Jungen verantwortlich

Natürlich müssten auch die Jungen wissen, was im Körper der Frau vor sich gehe, was es mit Zyklus, Eisprung und Periode auf sich hat, wie viel Sperma produziert wird und warum Kondome nicht nur ungewollte Schwangerschaften sondern auch Krankheiten verhindern. „Ich danke den Jungen, dass sie bei einem echten Frauenthema zugehört haben“, schließt Anke Moisa die Einheit über die Periode der Frauen ab und fügt gleich an: „Ihr seid auch verantwortlich für Verhütung.“

Immer wieder haben die Beraterinnen in zweimal sechs Unterrichtsstunden mit Kichern, verlegenem Lachen oder zwischenrufen zu kämpfen. Mindestens ebenso schlimm ist aber von TV-Serien vermitteltes Halb- und Unwissen. Wenn „Dr. House“ vor laufender Kamera eine Gebärmutter aufschneidet, ein gesundes Kind findet, wieder zunäht und auf die Geburt wartet, können Fengler und Moisa nur entsetzt den Kopf schütteln und warnen: „Vorsicht bei TV-Bildern.“



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