Von Ingrid Bäumer, 10.04.09, 15:21h
„Haben Sie etwa Angst?“, feixt von Berg, als die Schreiberin sich in den tiefen Therapie-Ledersessel falMENSCHEN
IM GESPRÄCH
len lässt. Nun ja - einem Hypnotiseur gegenüber zu sitzen, wenn man gar nicht hypnotisiert werden will, das ist nicht gerade die angenehmste Situation der Welt. Immerhin hat von Berg schon mal fürs Fernsehen einen Reporter vorübergehend in Trance versetzt. Ein Schnipp - und der Herr konnte seinen eigenen Vornamen nicht mehr aussprechen. Deshalb läuft bei unserem Gespräch sicherheitshalber ein Aufnahmegerät mit.
Jan von Berg ist spezialisiert auf Raucherentwöhnung und Hypnosecoaching. „Diesen Begriff habe eigentlich erst ich richtig geprägt“, merkt er mit einem kleinen, stolzen Lächeln an. Bei so diesen Coachings würden oft Ängste behandelt: die Scheu eines Moderators vor der Kamera, Prüfungsangst, Angst vor Arbeitsplatzverlust. In Palma de Mallorca hat von Berg eine Gemeinschaftspraxis: Vor allem Führungskräfte sind dort seine Klienten; sie verbinden den Kurzurlaub mit einem Coaching.
Von Bergs bevorzugte Form, die Milton-Erickson-Methode, sei sehr viel weniger autoritär als traditionelle Hypnose, sagt er. „Im Prinzip ist es ein Gespräch mit dem Klienten, das ich mit Fragen und mit meiner Wortwahl lenke.“ Hypnose sei eine ganz natürliche Sache. „Jeder von uns kennt leichte Trance-Zustände, zum Beispiel beim Joggen: Man ist mit den Gedanken ganz woanders, fühlt sich angenehm leicht.“ Bei leichten und mittleren Trancen erinnert sich der Hypnotisierte hinterher an das Gesagte, nur der ganz tiefe („somnambule“) Trancezustand kann Gedächtnislücken hinterlassen. „Als Klient haben Sie aber jederzeit das Gefühl, präsent zu sein. Auch wenn Sie sich nicht an alles Gesagte erinnern.“
Von Berg arbeitet seit 17 Jahren als Hypnotiseur. Er sieht den Vorteil gegenüber einer Psychotherapie in der kürzeren Dauer: „Bei mir brauchen Sie bis zu zehn Sitzungen, um zum Beispiel eine Phobie in den Griff zu bekommen. Eine Psychotherapie kann gern mal ein, zwei Jahre dauern.“ Seine Erfolgsquote kennt von Berg nicht. Voraussetzung fürs Gelingen sei das Vertrauen des Klienten - und sein freier Wille: „Wer zu mir kommt, obwohl er gar nicht wirklich mit dem Rauchen aufhören will, wirft nur sein Geld zum Fenster hinaus.“
Schwarzes Pendel
Wie kommt von Berg, gelernter Bankkaufmann, zur Hypnose? Über den Zivildienst: „Im Krankenhaus Sieglar habe ich gemerkt, dass ich gerne mehr und direkter mit Menschen arbeite.“ Er machte eine Ausbildung als Rettungssanitäter, „sechs Jahre habe ich dann ehrenamtlich in dem Bereich gearbeitet“. Im Krankenhaus lernte er Patienten mit chronischen Schmerzen kennen. Hier begegnete er zum ersten Mal der Hypnose: Sie wird als eine Form der Schmerztherapie angewendet.
Bereitwillig holt von Berg für die Kamera sein kleines schwarzes Pendel. „Aber das benutze ich eigentlich nur, wenn jemand gezielt danach fragt.“ Seine Show-Hypnosen fürs Fernsehen hätten zwar ihre Berechtigung - aber nicht zu therapeutischen Zwecken.
Manchmal hypnotisiert Jan von Berg sich auch selbst - zum Beispiel neulich beim Zahnarzt. „Man spürt dann die Schmerzen nicht, weil sie einem egal sind.“ Es gibt auch Zahnärzte, die Hypnose als Ersatz für örtliche Betäubung anbieten. Nur: Die Krankenkasse zahlt speziell das nicht. Glück für von Berg, dass er sich da selbst helfen kann.
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