Von Stephan Knieps und Jens Höhner, 23.09.08, 15:33h, aktualisiert 23.09.08, 16:48h
Und wer wie Heinz-Willi Wünsch und seine Lebensgefährtin Heide Gospodinova ab und an mit einer Digitalkamera ausgerüstet durch das große Grünland streift, der könnte Holger Sticht mitunter ziemlich glücklich machen. „Jemand hat mal bei einer Sonntagswanderung einen Schnappschuss von einer Libelle gemacht und ihn uns geschickt“, erzählt der Vorsitzende des „Bündnisses für die Wahner Heide“ gut gelaunt. „Nur was der Fotograf nicht wusste: Es war tatsächlich eine für die Wahner Heide neue Art.“
Wiederentdeckt
Auf diese Weise sind sowohl die Frühe Heidelibelle als auch die Kleine Zangenlibelle wiederentdeckt worden. Beide Arten galten eigentlich seit 1925 als ausgestorben. Entdecker waren Christoph Krämer sowie eben das Lohmarer Paar, Heide Gospodinova und Heinz-Willi Wünsch. Die Frühe Heidelibelle verdankt ihren Namen übrigens der Tatsache, dass sie als einzige Heidelibellenart schon im Mai durchs Grüne schwirrt.
Keine Frage, dass Naturfreund Wünsch - er selbst bezeichnet sich gern als „Waldläufer“ oder „Waldschrat“ - mächtig stolz ist auf seine Fotos, die oftmals mit viel, mit sehr viel Geduld entstehen. „Gerade eine Libelle ist schwierig“, sagt Wünsch und erklärt: „Sie hat nämlich den Rundumblick und merkt sofort, wenn man sich ihr nähert. Und damit scheucht man sie auf.“ Stehen bleiben und bloß nicht bewegen, dass sei dann die richtige Vorgehensweise - aber eine, die durchaus Geduld verlangt. „Das Anschleichen ist gar nicht so leicht, wenn man die schussbereite Kamera am ausgestreckten Arm hält“, berichtet der Enthusiast, der seine Bilder ab sofort gerne den Schulen und Volkshochschulen als Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen würde.
Spitzenplatz im Land
Freilich will das Paar in der Wahner Heide zudem weitere Streifzüge unternehmen auf der Suche nach seltenen Tierarten. Und die birgt sicherlich noch so manche Überraschung, gilt das Gelände doch mit seinen 5000 Hektar als zweitgrößtes Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens und mit mehr als 700 gefährdeten Tier- und Pflanzenarten gleichzeitig auch als das artenreichste Waldgebiet des Bundeslandes. Dass sie ab diesem Jahr nun also mehr Tierarten beherbergt als jemals zuvor, freut Holger Sticht. „Dass die Tiere wiedergefunden worden sind, ist ja ein Indiz dafür, dass es einen positiven Trend gibt“, sagt er, und fügt hinzu: „Aber die Lebensräume müssen weiter optimiert und ausgebaut werden.“
Neben der Frühen Heidelibelle und der Kleinen Zangenlibelle ist die Nordische Moosjungfer auf der Roten Liste aufgeführt, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW mit Sitz in Recklinghausen zuletzt im Jahr 1999 herausgegeben hat. Auch die Entdeckung der Moosjungfer kann Heinz-Willi Wünsch für sich verbuchen. Aber sind alle Neuentdeckungen diesen zufälligen Schnappschüssen von Spaziergängern zu verdanken? Sticht klärt auf: „Es gibt noch andere Möglichkeiten, alte Arten wiederzufinden. Der Kolkrabe etwa wurde durch eine wissenschaftliche Erhebung der nordrhein-westfälischen Ornithologengesellschaft gefunden.“ Die Vogelkundler sind seit 20 Jahren in einem Arbeitskreis organisiert, der in der Heide jedes Jahr ehrenamtlich die Brutbestände erhebt. Diese wissenschaftlich arbeitende Gruppe halte gezielt nach „neuen“ Tierarten Ausschau, erklärt Holger Sticht.
Horststand gesichtet
Im Fall des Kolkraben haben die Naturfreunde einen Horststand. Mit dem Kolkraben ist der größte Raben- und Singvogel der Welt erstmals neu festgestellt worden: Das Tier besitzt eine Flügelspannweite von 1,20 Meter. Auch dieser Rabe galt er in weiten Teilen Mitteleuropas bereits als ausgerottet.
Die dritte, geläufigere und bessere Methode zur Artenerhebung ist laut Sticht das so genannte „Monitoring“. „Dieses systematische Überwachen der Tier- und Pflanzenbestände gibt es in der Wahner Heide aber leider nicht“, bedauert der Bündnis-Chef. Denn: „Es kostet eine ganze Menge Geld.“ Darum wollen er und seine Mitarbeiter vom Bündnis für Wahner Heide, Spaziergänger und Wanderer dazu zu bewegen, ihre Fotos einzuschicken. „200 Augen sehen mehr als zwei“, betont Sticht. „Und wir wissen: Es ist vieles vom Zufall abhängig. Deswegen wollen wir die Leute dazu animieren, auch Bilder zu machen.“
Heinz-Willi Wünsch und Heide Gospodinova führen sorgfältig Buch über ihre Entdeckungen und dokumentieren diese im Internet: „Inzwischen haben wir mehr als 1200 Makro-Aufnahmen zu bieten“, sagt Wünsch. „Und unser Archiv wird ständig erweitert.“ Zu finden ist dieses unter der Adresse:
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
ksta.tv