Von INA KARABASZ, 18.06.07, 18:44h
Bad Honnef- Das Siebengebirge wird zum Nationalpark - dieses Thema bewegt seit längerem die Gemüter der Region. Dazu veranstaltete die Natur- und Umweltschutz-Akademie (NUA) NRW eine Auftaktveranstaltung in Bad Honnef, die den Teilnehmern die Möglichkeit zum Dialog geben sollte. Alexander Schink, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz Nordrhein-Westfalen, betonte besonders die Chancen, die ein solcher Nationalpark der Region bringen könnte: neue Impulse für den Tourismus und die Stadtentwicklung, ohne negative Auswirkungen. Das Gebiet erfülle nach Prüfung alle Kriterien, um als Nationalpark ausgezeichnet zu werden. Auch Landrat Frithjof Kühn verwies auf die große überregionale Bedeutung des Siebengebirges. Die Kennzeichnung als Nationalpark sei eine besondere Anerkennung für die Qualität der Region.
Doch gerade dort beginnen auch die Probleme. Ein solcher Park zieht große Besucherströme an. Teilbedingung eines Nationalparks ist jedoch, dass ein großer Teil der Fläche vor menschlichen Einflüssen geschützt wird. Dazu ist ein Rückbau des Wegenetzes notwendig. Schink sieht hier keine Hürden: Ranger werden die Besucher durch den Wald führen. Ein Konzept, das sich schon im Nationalpark Eifel bewährt hätte.
Ein anderes Problem des zunehmenden Natur-Tourismus' ist der Verkehr. Die teilweise ohnehin schon überlasteten Städte könnten einem verstärkten Autoaufkommen nicht standhalten. Peter Wirtz, Bürgermeister von Königswinter, wies darauf hin, dass die Parkplätze der Stadt selbst bei einem Ausbau bei weitem nicht ausreichen würden. Die Konzentration auf wenige Zugänge zum Siebengebirge sei eine mögliche Lösung für diese Problematik, so Wally Feiden, Bürgermeisterin der Stadt Bad Honnef. So könne der Besucherstrom besser gelenkt werden. Ihr Amtskollege Wirtz sieht in dem Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, zum Beispiel durch Einsetzen von Sonderbuslinien, einen guten Weg, um die Städte vor einer Verkehrsflut zu schützen. Dies diene im Besonderen auch dem Schutz der Anwohner der betroffenen Gebiete.
Um dieses und andere Probleme ausfindig zu machen und zu beheben, setzten alle Beteiligten besonders auf die Beteiligung der Bevölkerung. Wirtz sprach sich dafür aus, einen „offenen Prozess einzuleiten“. Auf einer Dialogplattform im Internet, sowie bei öffentlichen Bürgerversammlungen soll allen Betroffenen und Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, Anregungen. Kritik und Probleme zu äußern. Das Ziel sei ein „Bürger“-Nationalpark. Ein erster Entwurf für die Umgestaltung in einen Nationalpark soll schon im Mai nächsten Jahres im Rahmen der „UN-Naturschutzkonferenz“ in Bonn vorgestellt werden. Die endgültige Umsetzung des Projekts soll bis zur „Regionale 2010“ geschehen.
Damit wäre das Siebengebirge der 15. Nationalpark in Deutschland und, neben der Eifel, der zweite in Nordrhein-Westfalen. Das Gebiet umfasst etwa 4500 Hektar Fläche und wäre somit der zweitkleinste Nationalpark der Republik. Im Wesentlichen liegt der neue geschützte Bereich auf dem des alten Naturparks. Ein Großteil der Finanzierungskosten wird das Land übernehmen. Die Verwaltung des Projekts soll jedoch auch in Zukunft weiter bei den Kommunen und ehrenamtlichen Helfern liegen. Besondere Bedeutung soll hier dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) zukommen; dieser hatte sich bereits in der Vergangenheit stark für die Region eingesetzt. VVS-Vorsitzender Herbert Krämer begrüßte die Entwicklung der vergangenen Monate und sicherte die Unterstützung seines Vereins zu. Er glaubt: „Wenn es jetzt nicht geht, wann dann?“
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