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Stählernes Rückgrat für den alten Deich

Von JOHANNES SCHMITZ, 23.09.06, 07:18h

Niederkassel - Rund 4000 Bohlen sollen dem neuen Retentionsbecken zwischen Langel und Lülsdorf Halt geben. Für das geplante Becken sind noch Grundstücksfragen mit Landwirten zu klären.

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Wie das Retentionsbecken am Langeler Bogen in zwei Jahren aussehen soll, erklären Volker Lüdicke (links) und Peter Zentgraf beim „ersten Rammschlag“ (rechts).
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Wie das Retentionsbecken am Langeler Bogen in zwei Jahren aussehen soll, erklären Volker Lüdicke (links) und Peter Zentgraf beim „ersten Rammschlag“ (rechts).
Für das geplante Retentionsbecken sind noch Grundstücksfragen mit Landwirten zu klären.

Niederkassel - Der Boden bebt unter den Füßen, als die Vibrationsramme mit einem ohrenbetäubenden Geräusch die erste Bohle in den alten Deich drückt. Einige Minuten dauert es, dann lugt nur noch die Spitze der zehn Meter hohen massiven Stahlplatte aus der Deichkrone.

Rund 4000 dieser Bohlen sollen bis Ende November dem alten Erd-Bollwerk zwischen Langel und Lülsdorf neuen Halt geben, wie der Projektleiter Volker Lüdicke erläutert. Der Ingenieur koordiniert für die Stadtentwässerungsbetriebe Köln, die den Deich im Auftrag der Städte Köln und Niederkassel sanieren, die Arbeiten. Auf seiner ganzen Länge von etwa 2,6 Kilometern wird der Deich ein stählernes Innenleben erhalten.

„Wir erhöhen den alten Deich im Schnitt zwar nur um etwa 15 Zentimeter“, erläutert Lüdicke. „Aber das müssen wir machen, weil er nicht mehr standsicher ist.“ Doch der Erdhügel, der sich durch den ganzen Langeler Bogen zieht, wird noch zwei Besonderheiten haben. Bei Lülsdorf soll ein etwa 220 Meter breites Fluttor eingebaut werden, wie der Planer Peter Zentgraf erklärt. Dessen Stahlklappen werden geöffnet, wenn für den Kölner Pegel ein Hochwasser von mehr als 11,30 Meter bevorsteht. Die Folge: Das Wasser ergießt sich auf die Felder im Langeler Bogen. Für Rodenkirchen und auch die Kölner Altstadt kann dies den Hochwasserpegel um drei bis vier Zentimeter senken. Und für den Norden Niederkassels verbessert es den Hochwasserschutz von derzeit 10,69 Meter (gemessen in Köln) um gute 60 Zentimeter. Sollte es aber noch fünf bis zehn Zentimeter schlimmer kommen, dann helfen auch die jetzt in Angriff genommenen Maßnahmen nicht, gesteht Zentgraf. Doch schon 11,30 Meter gelten als ein Hochwasser, wie es sich statistisch gesehen nur einmal pro Jahrhundert ereignen soll. Neben dem Fluttor, das Rheinwasser in den Langeler Bogen eindringen lässt, ist als zweiter technischer Zusatz ein „Entleerungsbauwerk“ geplant, also ein verschließbares Tor, durch das die Wassermassen bei Langel wieder in den Strom abgelassen werden, wenn das Hochwasser die Marke von 11,30 Meter wieder unterschreitet.

Geflutet werden kann der Langeler Bogen natürlich erst, wenn das Wasser nicht in die Häuser der Anwohner von Langel und Lülsdorf fließen kann. Also werden die Felder landeinwärts von den Ortschaften mit einem neuen Deich abgetrennt, der rund zwei Kilometer lang und fünf Meter hoch sein wird. Er soll an der K 22 in Langel ansetzen und bis zur Uferstraße im Norden Niederkassels führen. Sollte das bis Herbst 2008 geschehen sein, wie es die Pläne vorsehen, dann wäre dies für Niederkassels Bürgermeister Walter Esser und den Ersten Beigeordneten Helmut Esch ein Grund zur Freude. Der Hochwasserschutz für die kleine Rheinkommune im Süden der Domstadt wäre dann in trockenen Tüchern.

Um das große Retentionsbecken anlegen zu dürfen, sind noch Grundstücksfragen mit Landwirten zu klären. Esch rechnet damit, dass die Bauern ihre Klagen gegen das Mammutprojekt jetzt zurückziehen werden, weil es keine Flutmulde im Überflutungsraum geben wird. Die Errichtung des Retentionsraumes samt Deichsanierung und -neubau kostet rund 18 Millionen Euro. „Wir haben noch keine Förderzusage“ teilte Esch mit. Er geht aber davon aus, dass das Land diese Summe übernimmt.



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